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Kommunikation mit LIMS-SystemenAutor: Frank Knoff (Imcor GmbH) - Seminar - Abstract Einführung - Geräteanschlüsse - Techniken - Technische Anschlußmöglichkeiten - Typische Interfaces - Einbindung in eine Applikation - Datensicherheit EinführungIn den vergangenen Jahren haben EDV-Systeme das Arbeitsleben deutlich verändert. Die Forderungen nach Rationalisierung, nach schneller Verfügbarkeit von Informationen und die Notwendigkeit zum Austausch von Daten zwischen Arbeitsbereichen und Unternehmen wurden zu treibenden Argumenten für den Aufbau der EDV-Infrastruktur. Die Bandbreite des EDV-Einsatzes reicht von der Datenerfassung über lokale Planungs- und Verwaltungssysteme bis zu unternehmensweit vernetzten Applikationen. Aus dem Blickwinkel des Labors ist besonders die Automatisierung der Meßwerterfassung, die Datenverwaltung und Auswertung mit einem LIMS sowie die Interaktion mit benachbarten Systemen und Anwendungen wichtig, wie PPS, Lagerhaltungssysteme oder z.T. auch kommerziell orientierten Anwendungen. Im folgenden soll primär auf die Anbindung von Analysegeräten an LIMS-Systeme eingegangen werden, aber auch ein kurzer Abriß der Möglichkeiten des Datenaustauschs mit anderen Applikationen gegeben werden. GeräteanschlüsseÜbersicht Auch PCs sind nahezu überall zu finden und der Umgang mit diesen Systemen gehört schon fast zum Allgemeinwissen. Darüber hinaus werden sehr viele Abläufe in der industriellen Umgebung bereits durch Rechner unterstützt. Es existieren inzwischen für fast alle Anwendungsgebiete leistungsfähige Programme und es werden täglich mehr. Durch die wachsende Leistungsfähigkeit von Standard-Software, verbunden mit einer immer einfacheren Bedienung haben sich in großen Mengen auch Individuallösungen entwickelt, die Teilbereiche des eigenen Aufgabengebietes abdecken. Trotz dieser günstigen Voraussetzungen gibt es jedoch immer noch eine gewisse Hemmschwelle bei der Integration der vorhandenen Technik in eine DV-Landschaft. Ergebnisdaten von modernsten Analysesystemen werden häufig notiert und per Tastatur in ein Erfassungsprogramm eingetragen, obwohl die vorhandenen Systeme eine direkte Gerät-Rechner-Verbindung unterstützen würden. Das Fehlerrisiko bei einer solch manuellen Vorgehensweise ist offensichtlich. Es liegt also nahe, alle Geräte, die über entsprechende Schnittstellen verfügen, direkt an die Rechner anzuschließen und die Meßdaten online zu übernehmen. Grundsätzlich ist dies auch möglich. Bevor Sie jedoch mit einem derartigen Projekt beginnen, sollten Sie sich einige Gedanken machen, denn nicht immer ist ein Anschluß wirklich sinnvoll. Insbesondere unter Kosten/Nutzen-Aspekten muß hier im Einzelfall geprüft werden, ob die Anbindung sinnvoll ist. Im folgenden sollen einige Anregungen zu diesem Thema gegeben werden. Welchen Nutzen bringt die Integration? Über die genannten Kriterien hinaus, muß in jedem Einzelfall geprüft werden, ob sich unter Kosten/Nutzen-Aspekten ein direkter Anschluß lohnt. Dabei spielt z.B. das anfallenden Datenvolumen eine entscheidende Rolle. Wird ein Gerät nur in Ausnahmefällen benutzt, um spezielle Untersuchungen durchzuführen, ist der Rationalisierungseffekt längst nicht so hoch wie bei Geräten, die permanent im Einsatz sind. TechnikenDirektanschluß Anschluß via Meßbox Anschluß über Steuerrechner Die anfallenden Rohdaten beispielsweise eines Chromatographiesystems, werden gesammelt und unter Verwendung eines speziell dafür ausgelegten Programms bearbeitet. Als Ergebnis können Sie Werte ausgewählter Peaks oder Flächen in Ihre LIMS-Anwendung übernehmen. Diese Geräte benötigen natürlich eine eigene Intelligenz - ein eigener Rechner zur Meßwerterfassung, -Auswertung und Gerätesteuerung ist also in jedem Fall erforderlich. Während früher jeder Anbieter seine eigene Hardware dafür benutzte, setzen sich mehr und mehr Lösungen auf Basis handelsüblichen Steuer-PCs und entsprechender Software durch. Welche Technik Sie für die Integration der Meßgeräte auch einsetzen, jede der o.g. Methoden stellt zunächst einmal nur sicher, daß Ihre Daten eingelesen werden können. Sie müssen in jedem Fall dafür Sorge tragen, daß die Ergebnisse von der Geräte-/PC-Schnittstelle abgeholt und in Ihre LIMS-Anwendung übernommen werden. In der Regel erfordert dies entweder Individualprogrammierung oder konfigurierbare Softwarewerkzeuge, die die Einbindung ermöglichen. Derartige Programme sind am Markt erhältlich und auch vom Endbenutzer einsetzbar. Sie haben den großen Vorteil, daß sie konfigurierbar sind, d.h. es können jederzeit, durch einfache Änderung von Steuerparametern, weitere Geräte angeschlossen werden. Mehr dazu später. Identifizierung und technische Freigabe Manuelle Identifikation Serien/Sequenzen Haben Sie alle diese Probleme gelöst, müssen Sie noch entscheiden, ob Sie automatisch alle anfallenden Daten direkt in die Zielanwendung übertragen lassen oder aber durch einen kompetenten Mitarbeiter nochmals formell überprüfen lassen (technische Freigabe). Im letzteren Fall sind entsprechende, dem LIMS vorgeschaltete, Dialoge notwendig, die die Proben und Meßergebnisse aussagekräftig darstellen und eine Korrektur bzw. Selektion erlauben. Damit wird verhindert, daß aus analytischer Sicht fehlerhafte Daten Ihr Produktivsystem belasten. Technische AnschlußmöglichkeitenÜbertragungsverfahren Bei einer seriellen Übertragung werden alle Bits eines Datenbytes nacheinander als elektrischer Impuls über eine Verbindungsleitung übertragen. Um die gesendeten Daten beim Empfänger richtig zuordnen zu können, müssen Sender und Empfänger miteinander synchronisiert werden. Bei der asynchronen Übertragung erfolgt diese Synchronisation zeichenweise, d.h. vor der Übertragung eines Zeichens (z.B. des Buchstabens "A") wird ein sog. Startbit gesendet. Danach kommen die einzelnen Bits des zu übertragenen Zeichens (Nutzdaten). Zur Fehlerkorrektur kann ein Paritätsbit angehängt werden. Die Übertragung des Zeichens wird durch 1 bzw. 2 Stopbits beendet. Aufgrund der zur Synchronisation erforderlichen Zusatzinformationen ist die Nutzdatenrate kleiner als die Bruttodatenrate. Durch die Synchronisation auf Zeicheneben wird eine Overhead von bis zu 50% produziert. Vorteil dieses als asynchrone Übertragung bezeichneten Verfahrens, ist die relativ hohe Störsicherheit des Protokolls. Daten können in unregelmäßiger Reihenfolge gesendet werden. Im Gegensatz dazu wird bei einer synchronen Übertragung nur zu Beginn eines Blocks eine Synchronisation vorgenommen und dann alle Daten ohne Zusatzübertragung verschickt. Der Overhead ist damit bedeutend geringer und die Nutzdatenrate höher. Dieses Verfahren setzt jedoch voraus, daß alle Daten kontinuierlich gesendet und die Sende- bzw. Empfangstakte beider beteiligten Systeme synchronisiert sein müssen. Datenpufferung Diese Pufferbereiche sind allerdings nicht beliebig groß, so daß verhindert werden muß, daß sie überlaufen. Dies wird durch den sog. Handshake realisiert. Dabei meldet der Empfänger dem Sender entweder über eine Leitung (Hardware) oder über eine Zeichenfolge (Software), daß der Puffer voll ist und die Übertragung gestoppt werden muß. Sind die aufgelaufenen Daten aus dem Empfangspuffer entfernt, signalisiert der Empfänger, daß weiter übertragen werden kann. Bei der parallelen Übertragung der Daten werden alle Bits eines Datenbytes gleichzeitig über mehrere Leitungen verschickt. Der Handshake-Mechanismus funktioniert hier genauso wir bei der asynchronen Übertragung. Theoretisch ist die Datenrate bei der parallelen Übertrag 8 mal höher, aufgrund elektrischer Randbedingungen kann allerdings mit derartigen Verfahren nur eine erheblich kleinere Entfernung überbrückt werden als bei der seriellen Übertragung. Parallele Übertragungstechnik findet man z.B. an den standardisierten Druckerports (Centronics, asynchron) bzw. bei fast allen Bussystemen (synchron). Typische InterfacesRS232 Das RS232-Interface verbindet immer nur 2 Kommunikationspartner (Punkt-zu-Punkt). Dabei sind verschiedene Übertragungsgeschwindigkeiten möglich (300 - 19200 Bit/s). Die überbrückbare Entfernung hängt aufgrund kapazitiver Effekte stark von dieser Geschwindigkeit ab. Mit Standardschnittstellen sind maximal Viele Analysegeräte werden mit diesem Interface ausgeliefert, so daß die Anbindung an ein Rechnersystem problemlos möglich ist. Centronics Die Datentransferrate bei diesem Interface liegt zwischen 1000 und 5000 Byte/s. Allerdings gelten auch hier Entfernungsbeschränkungen aufgrund kapazitiver Leitungseffekte. Die maximale Standard-Leitungslänge beträgt 7 m. Der Anschluß an diese Schnittstelle wird über einen 25-poligen Stecker vorgenommen. RS422 Mit dieser Technik können standardmäßig bis zu 1200 m überbrückt werden. Der Anschluß erfolgt auf dieselbe Art wie beim RS232-Interface. RS485 Durch die Möglichkeit der galvanischen Trennung, bspw. durch Optokoppler, können große Entfernungen, die u.U. erhebliche Potentialdifferenzen aufweisen, sicher überbrückt werden. Man findet derartige Systeme daher häufig in industriellen Umgebungen. Die Handshake-Mechanismen sind dieselben wie bereits beschrieben. Der Anschluß erfolgt über einen 25-poligen D-Sub-Steckverbinder. IEEE 488 Sehr verbreitet ist diese Bussystem in der Meßtechnik, wo es darauf ankommt, oftmals viele Meßdaten zu empfangen und Meßgeräte zu steuern. Current loop Eingestreute Störsignale wirken sich nicht auf den Stromfluß aus, daher können größere Entfernungen (bis zu 500m) sicher überbrückt werden. Der Anschluß an den Current Loop erfolgt typischerweise über Lüsterklemmen bzw. herstellerspezifische Stecker. Analog-Schnittstelle Alle genannten Schnittstellenarten lassen sich durch entsprechende Komponenten erweitern. Durch spezielle Leitungstreiber sind die maximal erreichbaren Übertragungsstrecken nahezu beliebig vergrößerbar. Schnittstellenkonverter stellen sicher, daß fast alle Geräte mit den unterschiedlichsten Schnittstellen z.B. über ein serielles Interface (RS232) am PC betrieben werden können. Einbindung in eine ApplikationHier sind einige Möglichkeiten zusammengestellt, wie Geräte beliebiger Art an einen Rechner angeschlossen werden können und wie die Datenübertragung abgewickelt wird. Damit ist der erste Schritt zur Meßgeräteintegration getan, die Daten werden über die Schnittstellen zum Vor- oder LIMS-Rechner übertragen. In einem zweiten Schritt müssen diese Daten nun in Ihre Anwendung übertragen werden. Dazu gibt es prinzipiell zwei unterschiedliche Verfahren: Filetransfer Online-Anbindung Bei einer entsprechend aufwendigen Online-Integration ist es möglich, neben der Erfassung von Daten, auch Analysegeräte zu steuern. Bei einem unbeaufsichtigten Betrieb muß allerdings eine sichere Fehlerbehandlung gewährleistet werden. Datenaustausch Ähnliches gilt für die Fakturierung. Während die eigentliche Leistung im Laborbereich erbracht wird, erfolgt die Abrechnung über ein Zentralsystem. Auch in diesem Fall gibt es unterschiedliche Lösungsansätze, die im folgenden kurz skizziert werden: Filetransfer Direkter Zugriff auf Fremddaten Programm-zu-Programm-Kommunikation So können beispielsweise die komfortablen Formatierungsoptionen von Word für Windows verwendet werden, um eigene Berichte ansprechend zu gestalten. Dazu müssen Sie Word zunächst die Daten übergeben. In einem 2. Schritt werden dann alle die Kommandos programmatisch ausgelöst, die Sie bei direkter Arbeit mit der Textverarbeitung verwenden würden (z.B. markieren von Textbereichen, Schriftart/Schriftgröße setzten, Textpassagen positionieren etc.). Theoretisch würde Ihre eigene Anwendung damit keine Listfunktion mehr benötigen. Es muß nur sichergestellt sein, daß eine Verbindung über einen sog. DDE-Kanal aufgenommen werden kann. Ähnliches gilt für Excel. Schon heute werden eine Reihe von Auswertungen im Labor mit dieser Standard-Tabellenkalkulation vorgenommen. Durch die Fülle der angebotenen Funktionen und grafischen Auswerteoptionen bietet sich auch dieses System für die Integration an. Viele LIMS-Systeme besitzen bereits Standard-Schnittstellen zu Excel oder Word. Neben einer nicht zu unterschätzenden Kostenersparnis bei der Entwicklung brachenspezifischer Lösungen bringt diese Vorgehensweise auch eine erheblich verbesserte Akzeptanz des Systems mit sich. Viele Anwender sind mit Produkten wie Word oder Excel bereits bestens vertraut und können schnell mit der neuen Lösung arbeiten. Datensicherheit - GLP/GMP-GesichtspunkteBei allen Tätigkeiten, die Sie im Labor durchführen, müssen Sie sich fragen, wie sicher sind die ermittelten Daten und wie können sie vor unbefugter Manipulierung geschützt werden. Bei Verwendung eines geschlossenen LIMS-System mit einer proprietären Datenbank ist diese Frage leicht zu beantworten, denn alle Zugriffe auf die angefallenen Daten können stets nur durch die Anwendung erfolgen. Besitzt das System ausreichenden Zugriffsschutz und Audit-Mechanismen, sind unbefugte Änderungen nahezu ausgeschlossen. Anders stellt sich die Problematik dar, wenn Sie berücksichtigen, daß immer mehr branchenspezifische Lösungen mit Standard-Komponenten entwickelt werden. So ist es durchaus möglich, auf die Daten eines Oracle-basierenden Systems mit Standard-SQL-Kommandos zuzugreifen, ohne die Anwendung zu aktivieren. Glücklicherweise bieten jedoch moderne Datenbank-Management-Systeme (DBMS) geeigneten Funktionen an, um auch in diesem Fall den unbefugten Zugriff zu verhindern. Bei der Auswertung von Daten bzw. Berichterstellung über die oben
beschrieben Programm-zu-Programm-Kommunikation (DDE) kann durch die Konfigurierung
der verwendeten Fremdprogramme sichergestellt werden, daß keinerlei
Manipulationen der vom LIMS übertragenen Werte möglich sind.
So können diese sonst sehr mächtigen Programme derart eingeschränkt
werden, daß z.B. Eingaben, Kopieren, Einfügen, Löschen
oder Speichern nicht möglich sind und nur Formatierungsoptionen zur
Verfügung stehen. Bei durchdachtem Einsatz derartiger Einschränkungen
ist es durchaus möglich, Systeme zu realisieren, die den strengen
Anforderungen im Labor standhalten.
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